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Reisebericht Südtirol 2007

 ”Fließend Deutsch & Warmwasser”
(älterer Werbespruch, immer wieder gern genommen)

Vom 26.06. - 10.07.07 waren wir in Südtirol.

Dies ist unser Reisebericht.

 

Blick vom Col Rodella Richtung Campitello

Allgemeines
Klima
Wirtschaft
Einkaufen
Literatur

Allgemeines zu Südtirol und zu unserer Reise

Südtirol ist eine Provinz (in Deutschland vergleichbar mit einem Kreis) in Italien (offiziell: Autonome Provinz Bozen - Südtirol). Komisch, oder? Da gibt es eine offenbar deutschsprachige Region, die in Deutschland als Ziel für den Sommer- und Winterurlaub sowie durch ihre Aktivitäten in der Volksmusik (Kastelruther Spatzen!) bekannt und beliebt ist, die aber zu Italien gehört - wie konnte es dazu kommen?

Nun - man möge mir die flapsige Wortwahl nachsehen - nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (1919) hat der südliche Teil von Tirol (der nördliche gehört ja bekanntlich zu Österreich) ein bisschen Pech gehabt - er wurde nämlich schon 1915 aus politischen Gründen an Italien “verschachert”. In der Folge wurde besonders seit der Machtergreifung der Faschisten (1922) von Italien nichts unversucht gelassen, um die “abtrünnige” Provinz möglichst vollständig zu “italienisieren”. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Autonomiestatus für Südtirol ausgehandelt, dessen Umsetzung von Italien jedoch jahrelang verschleppt wurde. In der Zeit von 1956 - 1968 kam es dann zu einem bewaffneten Widerstandskampf des BAS (Befreiungssausschuss Südtirol), der erst nachließ, als 1969 unter Beteiligung der UN und des Europarates ein ernstzunehmendes Autonomieabkommen (“Südtirol-Paket”) beschlossen wurde, das schließlich 1972 in Kraft trat. Es sollte jedoch noch einmal 20 Jahre dauern, bis es vollständig umgesetzt wurde.

Heute verfügt Südtirol über einen Landtag, der das Parlament der autonomen Provinz darstellt. Landeshauptstadt ist Bozen. Der Landesregierung, die alle fünf Jahre neu gewählt wird, steht der Landeshauptmann vor. Die Provinz hat knapp 500.000 Einwohner, von denen etwa 70% deutschsprachig sind. Neben der italienischsprachigen Bevölkerung gibt es noch einen etwas mehr als 4%igen Anteil an Ladinern. Die italienischsprachige Bevölkerung konzentriert sich in den Städten Bozen (73%!), Leifers, Meran und Brixen; außerhalb dieser Städte wird kaum italienisch gesprochen.

In Südtirol sind alle Orts- und Straßenschilder zweisprachig, auf Orts- und Hinweisschildern steht die deutsche Bezeichnung meist an erster Stelle. Während das Italienische somit durch die offizielle Beschilderung allgegenwärtig ist, wird dies durch die “private Beschilderung” - also etwa Namen und Bezeichnungen von Geschäften, Betrieben und gastronomischen Einrichtungen - auffällig kontrastiert. So wird das Ortsbild jedes Dorfs von der “Pension Heidi”, dem “Gasthof Zur Sonne” oder der “Bäckerei Kofler” geprägt, während auf dem Straßenschild politisch korrekt neben der Bezeichnung “Bahnhofstraße” auch das italienische “Via Stazione” prangt.

All das stört den deutschen Urlauber in der Regel wenig. Er muss keine fremde Sprache beherrschen, um mit den Einheimischen zu kommunizieren. Das optische Erscheinungsbild entspricht im Wesentlichen dem süddeutschen oder österreichischen Raum. Die Speisekarte wird entsprechend von - abgesehen von Rätsel aufgebenden Bezeichnungen wie “Kalbsschulternahtl” - vertrauten Gerichten dominiert; der Mittelmeereinfluss - wenn etwa das “Vitello Tonnato” zum “Thunisierten Kalbfleisch” mutiert - wird sicher gern in Kauf genommen.

Klima

Im unteren Etschtal (Vinschgau) herrscht das milde “insubrische” Klima Oberitaliens: geschützt durch den Alpenkamm im Norden und Nordwesten gibt es hier die höchsten Temperaturen und den geringsten Niederschlag. In den Regionen unterhalb von etwa 1.000 m trifft man auf das submontane europäische Klima: auch hier ist es relativ warm, aber es sind tendenziell höhere Niederschläge anzutreffen. Dass es oberhalb von 2000 m bis zu den höchsten Gipfeln (Ortler: 3.905 m) kalt und zugig zugeht, bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung.

In Bozen (260 m) und Meran (325 m) kann man in den Sommermonaten durchaus Höchstwerte von 35° erwarten. Nicht umsonst flüchten Bozener, die es sich leisten können, dann in das 1.000 m höher gelegene Oberbozen. Auch im Eisacktal - etwa in Brixen (560 m) wird es im Hochsommer nicht viel weniger warm. Man kann natürlich vor der Hitze beliebig weit “nach oben” flüchten - auf 2.000 m Höhe übersteigen die Temperaturen selten die 20°-Marke.

Im Winter bleibt das Klima zumindest in Meran so mild, dass man dort Palmen anpflanzen kann. Die schneesicheren Wintersportgebiete der Alpen und Dolomiten sorgen für ausgedehnte Wintersportsaison von Dezember bis April.

Wirtschaft

Südtirol gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 30.000 Euro pro Kopf zu den wohlhabendsten Regionen Europas. Hauptwirtschaftszweige sind Landwirtschaft (10% der europäischen und 2% der weltweiten Apfelproduktion!) und Tourismus (v.a. “Aktivurlaub” und Skiurlaub). Auch als traditionelle Weinbauregion hat Südtirol sich einen Namen gemacht. Mit den trockenen und fruchtigen Weißweinen (Gewürztraminer) sowie gehaltvollen Rotweinen (besonders mit der ortsansässigen Sorte Lagrein) hat es die Provinz unter die fünf besten Weinbauregionen Italiens geschafft.

Bekannte in Südtirol ansässige Unternehmen sind Leitner (Seilbahnbau), Salewa (Bergsport- und Trekking-Ausrüstung) sowie Loacker (Süßwaren und Waffeln).

Einkaufen

Wer in Südtirol - egal was - einkaufen will, muss sich auf Öffnungszeiten wie im Deutschland der 70er-Jahre einstellen. Morgens - je nach Branche - von 7 bis 12 Uhr, nachmittags von 15 bis 18, maximal 19 Uhr - und das auch nur von montags bis freitags. Samstags ist nur vormittags geöffnet. Von Glockenschlag Punkt 12 bis zum frühen Nachmittag sehen die Innenstädte aus wie ausgestorben. Selbst Tankstellen halten sich an diese Öffnungszeiten - Automaten ermöglichen jedoch Tanken rund um die Uhr. Große Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese? Fehlanzeige.

Ausgiebiges Shopping ist in den größeren Städten durchaus möglich. Vor allen Dingen Bozen, Meran, Bruneck und auch Brixen haben hier einiges zu bieten. Bis auf Bruneck haben alle genannten Orte Laubengänge, die nicht - wie meist angenommen - vor der sengenden Sonne, sondern vor Regen schützen sollen.

Objekte der Begierde können italienische Mode und Lederwaren, Loden (wer’s mag) oder Südtiroler Spezialitäten (Speck (also Schinken)), Kaminwurzen (kräftig geräucherte Mettwürstchen), Rindsg(e)selchtes (ein gepökeltes, gewürztes und geräuchtes Stück mageren Rinderschinkens) oder Wein sein. Natürlich kann man im Zeitalter von Globalisierung und Internet das meiste auch zuhause kaufen. Sehen und probieren macht aber viel mehr Spaß!

Literatur

Wir hatten folgende Reise- und Wanderführer zur Hand:

1) Dietrich Höllhuber - Südtirol (Michael Müller Verlag, 2. Auflage 2006)

Preislich (22,90 EUR) wie vom Umfang her (624 S.) ein echtes Schwergewicht, versucht der Reiseführer wie stets bei den Schwarten aus dem Michael Müller Verlag alle Erwartungen des Alternativtouristen zu erfüllen. So findet man hier nicht nur Informationen zu den großen Highlights, sondern auch zu kleinen oder weniger bekannten Orten und Attraktionen. Auch sind 50 “Wanderungen und Touren” beschrieben, wobei sich die Touren in Bergsteiger- und Mountainbike-Touren unterteilen. Ein Großteil der Seiten ist allerdings mit zahllosen Tipps zu Unterkünften aller Art, Restaurants und Gaststätten, Verkehr und Anreise (je Ort/Region!), regelmäßigen Festen und Veranstaltungen, Shopping usw. regelrecht vollgestopft.

Die Lesbarkeit wird nach meinem Empfinden durch die kleine Schrift (noch einmal kleiner im Tipp-Teil) sowie die Aufteilung in a) allgemeine Einleitung b) Tipps und c) Sehenswertes und Ausflüge behindert. Wer sich also z.B. einen schnellen Überblick in puncto Allgemeines und Sehenswertes zu einem Ort verschaffen will, muss zwischen ersterem und zweiterem nicht selten mehrere Seiten Tipps überblättern. Das nervt vor allem, wenn man unterwegs noch einmal schnell etwas nachschlagen will. Größere Farbfotos stehen nicht im Kontext, sondern an scheinbar wahlloser Stelle auf jeweils vier aufeinanderfolgenden Seiten - das erscheint mir etwas antiquiert.

Die Touren haben wir nicht getestet. Die Beschreibungen der Wanderungen (Bergbesteigungen und Mountainbiking stand bei uns nicht auf dem Programm) erschienen mir jedoch bei flüchtigem Lesen im Vergleich zum DuMont etwas oberflächlich. Auch wird nicht auf die überall vorhandenen Markierungen (z.B. Wanderweg 6) verwiesen; vielmehr werden in den abgedruckten Minikärtchen eigene Kennzeichnungen (Großbuchstaben) verwendet (“an Gabelung L folgt man der asphaltierten Straße M”). Schließlich wird kaum einer den dicken Reiseführer im Rucksack mitführen und kopieren oder gar abschreiben ist meist auch keine Option. So bleibt der praktische Nutzen der immerhin 50 aufgeführten Touren fraglich.

Schlussendlich scheint der werte Herr Höllhuber ein wenig überängstlich zu sein. So warnt er vor der autobahnähnlich ausgebauten Schnellstraße Meran-Bozen (MeBo) als “eine der unfallträchtigsten Straßen Italiens!” und vor der Stilfserjochstraße (Passstraße, die bis zu einer Höhe von 2.758 m führt) als “äußerst gefährliches Pflaster”, die jahrlich die Unfallstatistiken des italienischen Autombilclubs ACI anführe. Zumindest in Sachen MeBo scheint der Autor hemmungslos zu übertreiben, denn den - meist eher spärlichen - Verkehr auf dieser Strecke haben wir nie als angsteinflößend empfunden, wenn wir dort entlangfuhren. Die Stilfserjochstraße schraubt sich in 48 engen Kehren auf die Passhöhe - klar, dass hier ein höheres Unfallrisiko herrscht als auf einer schnurgerade ausgebauten deutschen Durchgangsstraße, aber “äußerst gefährlich” erschien uns doch ein wenig überzogen.

Fazit: ein umfängliches und nicht ganz billiges Nachschlagewerk für alle, die die dort enthaltenen Informationen auch wirklich brauchen.

2) ADAC Reiseführer plus Südtirol (neu bearbeitete Auflage 2005, incl Urlaubskarte 1:200.000)

Für nur 8,95 EUR bietet der ADAC Reiseführer auf knapp 190 Seiten im praktischen Hochformat nicht nur ausführliche und farbig bebilderte Informationen zu allen gängigen Orten und Sehenswürdigkeiten, sondern liefert auch noch eine Karte der Region mit, die dank des relativ großen Maßstabs und eines vollständigen Registers keine Wünsche offen lässt. Auf den ersten Blick verwirrend, erweist es sich jedoch bei näherem Hinsehen als durchaus praktisch, dass die Ziffern, die an vielen Orten auf der Karte stehen, nicht auf die Seiten-, sondern auf die Kapitelzahlen im Buch verweisen, die jeweils oben auf jeder Seite angegeben sind.

Fazit: mehr Informationen fürs Geld gibt es nirgendwo. Wer seine Unterkunft bereits gewählt hat (und wer macht schon eine Rundreise durch Südtirol?) und nicht für jede Kneipe am Wegesrand einen Tipp in seinem Reiseführer erwartet, wird hier ausreichend bedient. Allein die Karte ist schon mindestens den halben Preis wert.

3) Ursula und Wolfgang Eckert - Wandern in Südtirol (aus der Reihe “DuMont aktiv”, 3.aktualisierte Aufl. 2005)

Ich weiß gar nicht, den wievielten Wanderurlaub in Folge wir mit Büchern aus der DuMont aktiv-Reihe (ehemals Richtig wandern) von DuMont bestreiten - den dritten bestimmt. Die auf den ersten Blick etwas dünnen Büchlein bestechen zum Preis von 12 EUR durch gut recherchierte Wanderungen, die in Sachen Genauigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Ein Einleitungskasten mit Angaben zu Schwierigkeitsgrad, Dauer und Länge, zu überwindenden Höhenmetern, Verlauf und Hinweisen zu Verkehrsmitteln bietet auf einen Blick alle Informationen, die man für die Einschätzung der Wanderung benötigt. Ein Höhenprofil mit Etappenzielen zeigt genau, an welcher Stelle man besonders gefordert wird. Ein farbiges Kärtchen im jeweils angemessen Maßstab zwischen 1:50.000 und 1:80.000 reicht bei Orientierungsproblemen in der Regel aus, auf weiteres erhältliches Kartenmaterial wird hingewiesen.

Die Südtirol-Ausgabe enthält 35 Wanderungen, die vom einfachen Spaziergang bis zur anstrengenden Ganztageswanderung sowie mit Rund- als auch Stichwanderungen ein breites Anforderungs-Spektrum ausgewogen bedient. Auf alle Angaben ist stets Verlass, nur bei den Gehzeiten erweist sich das Kriterium “Durchschnittszeit” als ein wenig gewöhnungsbedürftig. In welcher Geschwindigkeit man einen anstrengenden Aufstieg bewerkstelligt, hängt u.a. sicher auch von der Tagesform und weiteren Kriterien wie z.B. dem Wetter ab. Die “gnadenlosen” Durchschnittszeiten führen so nicht selten zu Frust, weil man spätestens nach zwei Stunden ein Stück hinterherhängt - also “netto”, ohne Fotopausen oder gar eine Jause, versteht sich.

Meist wird man feststellen, dass die Routen auf gekennzeichneten Wanderwegen verlaufen, die man ja auch ohne Wanderführer ablaufen könnte. Der Reiz des Wanderführers liegt jedoch daran, dass a) alle Touren ordentlich recherchiert sind und man weiß, was auf einen zukommt, b) meist mehrere Wege zu einer stimmigen (Rund-)Wanderung kombiniert werden und c) man unabhängig von der Kenntnis der Gegend jederzeit auch an weiter entfernteren Orten sofort mit allen Informationen (genauer Wegverlauf, nutzbare öffentliche Verkehrsmittel usw.) versorgt ist.

Fazit: ein wertvoller Begleiter für den Wanderer, der sauber recherchierte und beschriebene Touren erwartet. Durch den geringen Umfang und das praktische Hochformat passt der Wanderführer auch in die Wanderhose. Zusätzliche Karten haben wir nie benötigt.